Feb
21
2009

Verpetzt Last.fm seine User?

readmore_rock_RN219832_v1

Das neue, eigentlich erst am 27. Februar erscheinende U2-Album „No Line On The Horizon“ kursiert seit Mitte dieser Woche in den einschlägig bekannten Online-Tauschbörsen. Ein im Vorfeld wichtiger Releases inzwischen gewohnter Vorgang. Ob Dummheit, kriminelle Energie oder gezielte Promo-Arbeit ursächlich sind, bleibt dabei – wie meist – unklar. So weit, so üblich. „Stefanie, 23, weiblich, Deutschland“ Doch nun äußert das renommierte Web 2.0-Blog Techcrunch einen schwerwiegenden Verdacht: Die beliebte Social-Networking-Site Last.fm habe User, die das neue U2-Werk vorab und somit aller Wahrscheinlichkeit nach illegal gehört hätten, an den Musikindustrie-Verband RIAA verpetzt. Last.fm ist eine „freundliche Spyware“, ein Programm mit dem seine Nutzer ihr Hörverhalten freiwillig aufzeichnen und auf den Last.fm-Seiten veröffentlichen. Minutiös genau ist dort protokolliert, wann etwa „Stefanie, 23, weiblich, aus Deutschland“ den neuen U2-Songs gelauscht hat. In Verbindung mit den – nicht öffentlich einsehbaren – Userdaten wie Name und Adresse sicher ein interessantes Datenpaket für die Abmahn-Anwälte der Musikindustrie. Genau diese Daten habe Last.fm der RIAA verraten, behauptet das Blog unter Berufung auf eine anonyme Quelle beim US-Medienriesen CBS, dem die Last.fm-Seiten gehören. „Techcrunch ist voller Scheiße“ Die Verantwortlichen bestreiten den Vorwurf jedoch energisch: „Das ist kompletter Unsinn und völlig unwahr“, zeigt sich Richard Jones, Mitgründer von Last.fm erzürnt und schießt zurück: „Techcrunch ist voller Scheiße“. Ein weiterer Mitarbeiter konkretisiert: Selbstverständlich arbeite man mit den Major-Labels zusammen und liefere ihnen allgemeine Statistiken. Niemals jedoch gäbe man persönliche Daten an Dritte weiter. Vermutlich besteht also kein Grund, nun hektisch das eigene Last.fm-Profil zu löschen. Doch ein wenig mehr Vorsicht bei der öffentlichen Preisgabe persönlicher Information sei zumindest den bis heute knapp 7.000 registrierten Hörern von „No Line On The Horizon“ anempfohlen.