Feb
23
2005

Kunststücke mit Baby auf der Bühne

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Conor Oberst ist ein Genie. Und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Alkoholiker. Ob das nun traurig ist, oder ob ohne den Alkohol seine wundervollen Songs erst gar nicht entstehen würden, sei dahin gestellt. Sicher ist hingegen, dass sein Alkoholkonsum die Kölner zum Lachen, aber auch zum Langweilen gebracht und schlussendlich zu einem Baby auf der Bühne geführt hat (und da war es immerhin schon kurz vor Mitternacht). Doch von vorne. Mit Rilo Kiley wählte Oberst eine ehemalige Saddle Creek-Band als Vorgruppe, deren Mitglieder allesamt vorzügliche Musiker sind. Allein ihre Kompositionen, die irgendwo zwischen typisch amerikanischem Country-Alternative-Rock, The Beautiful South und Joss Stone schlingerten, überzeugten nicht. Auch wenn Sängerin Jenny Lewis gewiss eine sehr Süße mit guter Stimme ist (wenn sie nicht gerade versucht, aus ihrem eher tieferen Volumen nach oben auszubrechen): Das reichte nicht aus, um das für eine Vorband außergewöhnlich lange Konzert zu einem Spaß für den Zuschauer zu machen. Schon hier bahnte sich die relative Statik des Publikums an. Endlich, endlich kam dann nach einer gefühlten Ewigkeit der Goldschatz des Abends auf die Bühne. Mit einer launigen Ansage stellte Conor Oberst die Heimatstädte seiner Gehilfen vor. Anschließend nahm der junge Frontmann einen Schluck Bier, wollte die Flasche schon abstellen … setzte dann aber noch einmal an, um die Flasche auf Ex zu trinken. Hatte er anscheinend auch vor dem Konzert schon ein paar Mal getan. Gott sei Dank tat das seinem musikalischen Genie keinen Abbruch. Sogar das Meckern in der Stimme hat Oberst inzwischen weitgehend abgelegt. Die Band, die er mit seiner leisen, aber doch heftigen Bühnenpräsenz vollkommen in den Hintergrund stellte, harmonierte exzellent mit dem schüchternen Frontmann. Die Bright Eyes bedienten sich, wie im Vorfeld angekündigt, fast ausschließlich beim „Wide Awake …“-Album, nur paar ältere Stücke schafften es daneben in die Playlist. Dazwischen brachte der Sänger sein Publikum mit Anekdoten über die Herkunft und Eigenarten seiner Bandmitglieder zum Schmunzeln. Zu oft jedoch füllten sich diese teils unendlich lang wirkenden Pausen auch mit Leere, mit gestammelten Worten, die Conor auf dem Weg zu seinem Mund vergessen zu haben schien. „This song is about …“, „This song is called …“ begann er mühsam, die Pause zu unterbrechen, beendete den Satz dann aber mit „whatever“ oder „blablabla“. Traurig? Egal? nervig? Wieder wett machte das spätestens die Zugabe. Zu der schleppte er erst ein liebreizendes Baby auf die Bühne, dem er zuvor einige „Tricks“ beigebracht hatte. Irritiert vom Scheinwerferlicht dauerte es eine Weile, bis das Kleine diese auch dem Publikum vorführte. Danach stand Oberst allein mit seiner Gitarre auf der Bühne. „Lua“ sorgte für Gänsehaut. Wohl dem, der jemanden zum Anlehnen dabei hatte. Beim fulminanten Abschluss „Road To Joy“ zeigten die Bright Eyes noch mal ihr Potenzial. Doch eine schale Erinnerung bleibt: „If you promise to stay conscious/I will try and do the same“. Bad try, Conor!