Sep
7
2004

Herr Lehmann heißt jetzt Frank

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„Neue Vahr Süd“, ein Neubaugebiet der Hansestadt Bremen, ist der Ausgangspunkt der Vorgeschichte zu „Herr Lehmann“. Regener lüftet gleich zu Beginn das Geheimnis um des Herrn Vornamen: Frank. So unaufregend wie der Name, so planlos scheint auch die Zukunft des jungen Mannes, der irgendwie und halt einfach so zum Bund muss, da er die Verweigerung verpennt hat. Blöd halt, dumm gelaufen. Bekannte und Verwandte attestieren ihm zwar, er sei ‚ja mehr so der Hippietyp“, alles Lamentieren hilft nichts, und so zieht er eben ein. Döverdem/Barme heißt die nächste Station in Lehmanns Leben, denn dort soll er bei den Pionieren seinen Wehrdienst leisten. Hin und her pendelnd zwischen der Kaserne und der Heimatstadt dreht sich die Geschichte, ähnlich wie in „Herr Lehmann“, um absurde Situationen, noch absurdere Dialoge, Diskussionen und Westentaschen-Philosophien. Frank Lehmann ist einer, der nicht so richtig weiß, wo er eigentlich hingehört. Zwischen Vollversammlungen von aktionistischen K-Gruppen (nebst Geschäftsordnungsanträgen), ziellos dahin treibenden Ex-Genossen und dem straffen Regiment der Bundeswehr genügt ihm erst einmal die Feststellung, dass er damit zufrieden ist, nirgendwo richtig dabei zu sein. Immerhin schafft er es, von zuhause auszuziehen, und schließt sich seinen (mehr oder weniger) Freunden Martin Klapp, Ralf Müller und Achim an. Zusammen hausen sie in einer Wohnung, in der sich nacheinander das Klo, die Dusche und zuletzt der Strom verabschieden. In diesem selbstgewählten Chaos passieren die undenkbarsten Begegnungen, einfach so. Das gepflegte aneinander vorbei Reden, das schon „Herr Lehmann“ zum Lesegenuss macht, pflegt Regener auch diesmal ausgiebigst, und bläst so den Umfang der Geschichte etwas auf. Einige umständliche Längen muss der Leser überstehen, aber schon auf der nächsten Seite wartet die (ja irgendwie auch) komische und (überhaupt ganz) lesenswerte Situation.