Sep
22
2002

„Die nationalen Grenzen vergessen“

„Die nationalen Grenzen vergessen“

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung gab Carlos Santana mehrere witzige Statements zum Besten. Mit der These „Wenn es regnet, wird der Papst genauso nass wie eine Nutte. Wir sind alle gleich“ rückt der Gott des Latin-Rock mal eben katholische Hierarchien ins rechte Licht. Genauso kurz und knackig fasst er die Musikhistorie zusammen. „Aus Europa kommen der Walzer und die Polka. Der Rest kommt aus Afrika.“ Mit Rolling Stones-Frontmann Mick Jagger nimmt Carlos dann einen Superstar der Rockmusik besonders aufs Korn. Dieser hatte für sein letztes Soloalbum dieselben Künstler verpflichtet, wie Santana für seine megaerfolgreiche „Supernatural“-Platte. Jaggers Werk floppte aber grandios. Der „Black Magic Man“ hat dafür eine einfache wie bissige Erklärung parat: „Ich habe mal gesehen, wie Jagger und sein Produzent Clive Davis im Studio arbeiten. Da war keine Chemie, keine Spannung. Das war alles so oberflächlich wie ein Kuss in Los Angeles.“ Wenig bis überhaupt nichts hält er auch von den pathetischen Patriotismusaktionen seiner Kollegen wie Bon Jovi, den Beach Boys oder Bruce Springsteen, die sich in eine US-Flagge eingehüllt auf die Bühne stellen oder vor Baseballspielen die amerikanische Nationalhymne singen. Jemanden wegen einer Fahne zu töten, sei für ihn ein Zeichen kruder Ignoranz. Man sollte im Alter „die nationalen Grenzen vergessen“, so der Gitarren-Veteran. Doch die Fähigkeit der kritischen Selbsteinschätzung scheint der gute Santana ebenfalls gekonnt zu beherrschen. Zu seinem eigenen Status äußerte er sich ähnlich scharfsinnig: „Wenn man in die Hall Of Fame aufgenommen wurde, ist man am Ende. Als mir 1998 diese so genannte Ehre zuteil wurde, dachte ich: So, Carlos, das wars! Jetzt ist es offiziell: Du bist am Ende! Du bist auf dem Schrottplatz für Rockstars! Die haben dich abgeschrieben.“