"Das Gefühl und die Energie, die 'Libertad' prägen, entspringen dem niemals endenden Kampf nach persönlicher und sozialer Freiheit." Letzteres Anliegen in Ehren: Slash und Co. kämpfen eher um ihre persönliche Freiheit. Etwa das hart erarbeitete Privileg, das Leben eines Rockers jenseits des Nine To Five-Hamsterrads zu führen. Oder, wie Slash, sich in Großbritannien auf Tour das Rauchen nicht verbieten zu lassen.
Scott Weiland (Ex-
Stone Temple Pilots), Gitarrist Dave Kushner sowie die Ex-
Gunners Slash, Basser Duff McKagan und Trommler Matt Sorum spielen auf Album Nummer zwei trotzdem ihre ganze Routine aus. So dürfte den beißenden Opener "Let It Roll" jeder Hardrock-Fan lieben.
An die Power des Tracks kommt aber kaum eine weitere Nummer des Albums mehr heran - abgesehen vom lässigen Rockgroover "Get Out The Door" - Weiland liefert hier mit seine besten Vocals ab - sowie im Anschluss die harte und eingängige Single "She Builds Quick Machines".
Erst jetzt gewähren Velvet Revolver mit einer Halb-Ballade die erste Verschnaufpause: Ab "The Last Fight" kann man aber nicht mehr mit allem einverstanden sein. So bietet das an sich rotzige "Pills, Demons & Etc." im Refrain großes Kino - allerdings im Sinne
Jon Bon Jovis. "Can't Get It Out Of My Head" erinnert in seiner offenen Hymnenhaftigkeit an
Aerosmith. Dazu passend kippt der Abschlusstrack "Gravedancer" in eine Mainstream-Countrynummer - das klang anno 1991 mit dem kurzen Gunnersstück "Ain't The First" echter.
Zuvor wenden sich Velvet wieder den Anhängern der gepflegten, exakt und schnell gespielten, Whiskey-getränkten Rock-Gitarre zu: "Mary Mary" und "Just Sixteen", letzteres fast im
Motörhead-Tempo. "Spay" legt an Fahrt noch mal zu.
Und so läuft Velvets Zweitling problemlos auf jeder Rockerparty - eine saubere Sache, vielleicht zu sauber. Brendan O'Brien verpasste dem Quintett eine kompakte, transparente und bombensichere Produktion. Das Ganze wirkt im Vergleich zum
Debüt über Albumlänge aber doch kontrollierter.
So klingen Weilands Vocals produktions-technisch besser in den Sound integriert als früher. In Wirklichkeit hat sich der Mann bei aller Stimmgewalt eher etwas zurecht gestutzt. Das Gunners/Stone Temple-Gebräu wirkte damals frischer. Zumindest hat Weiland seine Alternative-Attitüde an der Tür der Gesangskabine abgegeben. Velvet Revolver sind mit einem durchschnittlich gutem Rockalbum in der Normalität angekommen. Eine halbstündige Doku-DVD rundet dieses Paket ab.