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    "Von Rammstein kam eine Absage"Official News


    Seit sechs Jahren engagiert sich Laut Gegen Nazis e.V. gegen Rechtsradikalismus, Rassismus, Antisemitismus und Homophobie. Der Verein hat bereits viele Aktionen und Kundgebungen organisiert, er unterstützt - gemeinsam mit der Amadeu Antonio Stiftung Berlin - junge Initiativen, die mit viel Zivilcourage z.B. gegen Ausländerfeindlichkeit kämpfen. Und er geht stets dahin, wo es wehtut, etwa in die Fußballstadien, in denen rechte Gesinnung sich oft artikuliert.

    Unterstützung erfährt der Laut Gegen Nazis e.V. dabei von prominenten Musikern wie Smudo, Silbermond oder Bela B. Natürlich ist man aber auch auf Spenden angewiesen, und genau daran hapert es seit einigen Monaten. Wir sprachen mit Jörn Menge, dem Initiator und Kopf von Laut Gegen Nazis über die aktuelle Situation und die Frage, warum sich manche Bands oder Musiker gegen Nazis engagieren und andere nicht.

    laut.de: Am 4. September findet auf dem Spielbudenplatz in Hamburg eine große Kundgebung für den Verein Laut Gegen Nazis statt, weil euch finanzielle Mittel fehlen. Wird es schwerer für euch, Unterstützer zu finden und woran liegt das?

    Jörn Menge: Der 4. September 2010 war eigentlich schon länger als Großkundgebung für ein bundesweites Zeichen gegen Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Menschenverachtung geplant. Hierfür haben wir den Justizsenator der Hansestadt Hamburg Dr. Till Steffen als Schirmherren gewinnen können. Erst Ende Juli wurde deutlich, dass unsere wirtschaftliche Kraft keine langfristigen Planungen mehr zulässt. Bis zu 60% Einbrüche auf der Einnahmenseite im ersten Halbjahr, haben uns dann veranlasst, eine offizielle Pressemitteilung zu unserem Geldmangel zu versenden.

    Einerseits ist sicherlich auch bei uns die Folge der Wirtschaftskrise zu spüren. Unternehmen, die noch vor einem Jahr Projekte mit finanziert hätten, haben diesen Zustand zumindest als Argument benannt. Wobei erschreckend ist, dass ein Teil der befragten Unternehmen sich deshalb nicht engagieren, weil sie bei diesem Thema einen Umsatzeinbruch bis zu 30% fürchten. Das entspricht den Statistiken, die sagen, dass ca. 30% der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger rechtsradikales Gedankengut in ihren Köpfen tragen (lt. Studie/Friedrich Ebert Stiftung und statistischer Erhebung des Bundestags).

    Aber auch Spender und neue Mitglieder für den Verein Laut gegen Nazis e. V. (unser Förderverein), blieben in den letzten Monaten aus. Zudem ist das Thema Rechtsextremismus auch kein beliebtes Spendenthema. Wir haben da zwar einige Erfolge erzielt. Grundsätzlich aber ist das Thema unattraktiv und es gibt Berührungsängste mit einem unangenehmen Thema, das uns aufgrund der Vergangenheit des Landes alle angeht. Aber wir können natürlich auch kein amtliches Ergebnis vorweisen und behaupten, dass wir mit unserer Arbeit erreichen, dass es weniger Nazis und Rechtsextreme gibt. Wir bauen keine Brunnen.

    Prominente Persönlichkeiten aus Kultur und Gesellschaft unterstützen eure Arbeit, darunter einige deutsche Musiker und Bands. Sucht ihr eure Partner selber aus, oder nehmt ihr auch 'Bewerbungen' entgegen?

    Selbstverständlich fragen wir die Persönlichkeiten auch an. In den letzten Jahren war es allerdings auch so, dass wir ein erhöhtes Engagement feststellen konnten und viele unserer Partner auf uns zukamen. Ein durchaus positives Signal. Bewerbungen gibt es in dem Sinne nicht. Viel mehr leben wir von der Mund zu Mund-Propaganda und davon, dass sich Persönlichkeiten mit Herz engagieren und nicht mit der PR-Brille.

    Wer hat euch bislang am meisten unterstützt?

    Das ist eine schwere Frage, jedoch können wir sagen, dass Smudo, Peter Lohmeyer, Silbermond, Sportfreunde Stiller, Revolverheld unsere ersten Partner wurden. Und das vor sechs Jahren. Jede Partnerin und jeder Partner hat sein vollstes Engagement im Rahmen der mit ihnen durchgeführten Aktionen und Veranstaltungen erbracht. Auch die hier nicht erwähnten Künstlerinnen und Künstler. Dafür danken wir, weil sie ihre Popularität für ein ernstes Thema unkompliziert zur Verfügung stellen. Keiner der Künstler und Bands hat je Gagenforderungen gestellt.

    Achtet ihr auf die politische Einstellung eurer Partner?

    Wer sich bei unserer Kampagne engagieren möchte, ist herzlich willkommen. Wir handeln nach dem demokratischen Prinzip der Meinungsfreiheit und sind überparteilich. Hierbei geht es darum, gegen den wachsenden Rechtsextremismus in Deutschland zu agieren. Dies bleibt unser Thema. Wer wen wählt, interessiert uns nicht.

    Silbermond propagieren etwa in "Irgendwas Bleibt" den Rückzug aus einer unübersichtlichen Öffentlichkeit ins Private. Stört euch das nicht?

    Fakt ist, dass Silbermond uns immer dann, wenn es öffentlich wird, stark unterstützen. Ein Liedtext unterscheidet sich meist vom wahren Leben. Dazu fällt uns ein Urteil schwer, aber wir können sagen, dass diese Band uns öffentlich nie im Stich gelassen hat.

    Habt ihr schon mal eine Zusammenarbeit abgelehnt?

    Wir lehnen eine Zusammenarbeit nur dann ab, wenn jemand die PR-Wirkung unserer Kampagne nutzen möchte ohne hinter der Aussage zu stehen. Gott sei Dank haben wir bisher nur gute Erfahrungen gemacht und hatten nie das Gefühl, dass uns jemand benutzt. Für alle Beteiligten lege ich meine Hand in das Feuer, dass diese in keiner Weise auf sich selbst bedacht sind.

    Habt ihr schon mal jemand - z.B. wegen seines Gesinnungswandels - rausgeschmissen?

    2005 hat sich die ehemalige Ex-Tagesschausprecherin Eva Herman mit einem Hörbuch und kleinen Aktionen im Rahmen unserer Kampagne glaubwürdig engagiert. Bis zum Jahr 2007. Als ihr erstes Buch erschien, waren wir bereits skeptisch. Als ihr zweites Buch erschien, mussten wir aufgrund ihres Verhalten einen Ausschluss aus unserer Kampagne anstreben und haben diesen auch erwirkt. In ihrem zweiten Buch hatte sie die Familienpolitik der Nazis beschönt und auch entsprechend in Interviews agiert. Der NDR kündigte ihr nach diesem Desaster ebenfalls ihre Arbeitsstelle. Wir hatten sie zeitgleich aufgefordert, eine Stellungnahme bei uns über ihre Äußerungen abzugeben. Dies tat sie nicht, so dass wir sie auffordern mussten, nachdem sie sich mit der Teilnahme bei uns in der BILD öffentlich für ihre missverständlichen Aussagen zur Nazipolitik entschuldigen wollte, nicht mehr mit uns in der Öffentlichkeit zu argumentieren. Vor etwa einem Jahr sandte sie uns sprachwissenschaftliche Auswertungen über ihre damals getätigten Aussagen zu. Sie wollte durch uns rehabilitiert werden. Wir haben darauf nicht mehr reagiert.

    Habt ihr schon einmal Absagen von Bands oder Musikern bekommen? Die Ärzte beispielweise engagieren sich ja bereits anderswo. Rammstein dagegen wollten aus anderen Gründen nicht, oder?

    Nun, das kommt vor. Die Ärzte und Die Toten Hosen haben ihre eigenen Aktionen gegen Nazis. Bela B. unterstützt unsere Kampagne aus vollem Herzen als Solo-Künstler und sammelte ohne, dass wir es wussten bei seiner letzten Tournee Spenden für unseren Förderverein.
    Von Rammstein haben wir durchaus Absagen erhalten. Es sei klar, woher die Band kommt (linkes Spektrum Berlin) und es sei indiskutabel, sich unbedingt gegen Rechtsextremismus öffentlich zu engagieren, war immer die Aussage. Man kann es der Band vielleicht nicht übel nehmen. Jedoch wird sie auch aufgrund ihres Auftretens von sehr vielen Menschen kritisiert. Es hat etwas Martialisches, Germanisches, wenn man sich die Shows ansieht. Wir kritisieren hierbei ganz deutlich, dass man in Kauf nimmt, auch das falsche Klientel aus der rechten Szene auf seine Konzerte zu ziehen. Dies ist sogar nachweisbar. Bei jedem bisher durchgeführten Konzert der Band in Deutschland, haben uns Securitys und auch das Personal berichtet, dass rechtsextreme Gäste durchaus zu sehen und zu spüren waren. Bei Rammstein hätten wir uns durchaus ein Engagement im Rahmen unserer Kampagne oder im Rahmen anderer toller Aktionen von Initiativen gewünscht. Eine öffentliche Stellungnahme zu diesem Thema findet seitens der Band nur sehr selten statt.

    Du meinst also, dass Rammstein ein Engagement bei euch ablehnen, weil sie finanzielle Nachteile fürchten?

    Es wäre unverschämt, der Band so etwas zu unterstellen. Nur böse Zungen würden davon ausgehen, dass eine Mitwirkung bei Initiativen gegen den Rechtsextremismus in Deutschland auch den Umsatz von Rammstein schmälern würde. Jedoch wollen wir niemanden etwas unterstellen, sondern würden uns natürlich freuen, wenn Rammstein klar Stellung bezieht und vielleicht selber erklärt, warum ein Engagement in diese Richtung so gut wie gar nicht stattfindet.

    Worin siehst du die wichtigsten Ziele für die Zukunft?

    Die wichtigsten Ziele unserer Kampagne sind klar definiert. Wir wollen unabhängig ein Bewusstsein in der Zivilgesellschaft zu dem Thema Rechtsextremismus und Nazis schaffen, damit Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Menschenverachtung keine Chance haben. Hierzu bedienen wir uns an PR und Marketingstrategien. Nur leider ist es so, dass immer mehr Menschen das Thema nicht sehen wollen und als unangenehm empfinden. Wir leben in einer Zeit, in der Zeitzeugen der NS-Vergangenheit aussterben. Wir wollen erreichen, dass neue Nazis keine Chance erhalten, ihre menschenverachtende Ideologie in die Gesellschaft zu tragen. Mit Hilfe der Popularität unserer Partner können wir die Gesellschaft sensibilisieren.

    Dabei wünschen wir euch viel Erfolg!

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    Velvet Revolver

    Axl Rose stänkert, The Nuge stinktOfficial News


    So was nennt man wohl verkehrt Welt: Axl Rose und Guns N'Roses, eigentlich dafür bekannt, dass sie bei ihren Konzerten nicht auftreten oder gar nicht erst anreisen, machen nun eine riesen Wind um das diesjährige Reading Festival, wo sie bei ihrem Gig gar nicht mehr von der Bühne wollten. Nachdem sich die Veranstalter gezwungen sahen, die Band von der Bühne zu werfen, stänkerten Axl und seine Jungs nachträglich noch groß über Twitter rum, dass die Fans eigentlich mehr und eine längere Show verdient hätten.

    Bitte wie? Guns N'Roses weigern sich von der Bühne zu gehen? Was kommt als nächstes? Kondom Werbung aus dem Vatikan? Ehrliche Politiker? Tittenverbot auf RTL II? Oder streichen wir vielleicht sogar das 'drugs' aus sex, drugs & rock'n'roll?

    Wohl kaum. Wäre für einen Kerl wie Stephen Wesley Ungerbuehler auch fatal ? schließlich ginge damit eine gewisse Einnahmequelle verloren. Besagter Ungerbuehler war unter dem Namen Steve Unger als Bassist des letzten Metal Church Line-Ups bekannt und hat von 2004 bis 2009 das Langholz bedient. Der Polizei des Staates Washington ist er nun aber als Marijuana-Großdealer bekannt, der das Kraut über drei Countys hinweg vertickt haben soll.

    Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Ungerbuehler in organisierter Form Marijuana angebaut und Geld gewaschen hat. Der Bassist streitet alle Vorwürfe ab, sitzt aber vorerst in Untersuchungshaft, bis jemand 100.000 Dollar locker macht, um ihn auf Kaution raus zu holen.

    Dabei gibt es im Rockbiz mehr als genug Idioten, die besser gelegentlich einen durchziehen sollten, um ein wenig zu entspannen. Allen voran unser Vorzeige-Redneck-Waffenprollo-Republikaner-Fuzzi Ted Nugent. Dass man die Äußerungen des Jägers der letzten Gehirnzelle am besten direkt mit seinem zugegebenermaßen begnadeten Gitarrenspiel übertönen sollte, wissen zum Glück die meisten. Und auch sein lyrisches Meisterwerk "Kill It & Grill It: A Guide to Preparing and Cooking Wild Game and Fish" sollte in keiner Höhle fehlen.

    Nun muss sich der direkte Nachfahre des Homo Protozoa ebenfalls vor Gericht verantworten und leider nur eine geringe Geldstrafe von 1.750 Dollar zahlen, weil er vor laufender Kamera in seiner Fernsehsendung "Spirit Of The Wild" mit Pfeil und Bogen einen jungen Hirsch getötet hat. Die Tötung junger Hirsche ist in Kalifornien dummerweise verboten.

    Während es dem The Nuge mal ganz gut täte, sich bei der ein oder andere Kräuterzigarette zu entspannen, ist bei einem anderen schon lange bekannt, dass es dabei leider nur selten bleibt. Schließlich ist Scott Weiland sowohl bei Stone Temple Pilots als auch bei Velvet Revolver maßgeblich wegen seiner Drogenprobleme raus geflogen.

    Dabei sollte sich eigentlich jede Band glücklich schätzen, einen begnadeten Künstler wie Weiland in ihren Reihen zu haben! Nicht nur, dass der Mann gerade wieder mit seiner Herrenmode-Linie in den Staaten von sich reden macht. Er verfügt auch über die (vielleicht nicht so ganz) einzigartige Fähigkeit, seine geniale Stimme selbst dann erklingen zu lassen, wenn er seine Stimmbänder gar nicht benutzt. Zumindest könnte man diesen Eindruck gewinnen, wenn man sieht, wie es den Sänger in unten stehendem Livemitschnitt von der Bühne hagelt, er aus eigenen Kraft nicht mehr hochkommt, aber anscheinend fehler- und pausenfrei weiter singt!

    Entweder ist der Kerl verdammt hart im Nehmen ? oder das Mikro singt eben auch ohne ihn ?

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    The Libertines

    Arcade Fire nutzen Google Street ViewOfficial News


    Irgendwann in der jüngeren Vergangenheit kam es in Bezug auf Pete Doherty, Carl Barât und The Libertines zu einem Schisma in der Pop-Berichterstattung. Während die eine Seite weiterhin dankbar Dohertys Drogen- und Kriminaleskapaden kolportierte, entschied sich die andere Hälfte dafür, der Selbstzerstörung des Bandprotagonisten nicht länger einen Boulevard zu bieten - so auch die laut.de-Newsredaktion.

    An diesem Wochenende indes kamen beide Flügel nicht um die Wiederaufbereitung des Themas The Libertines herum: Über die zwei jüngsten Reunion-Performances bei den englischen Festivals Reading und Leeds schreiben dieser Tage von BBC bis NME alle relevanten Musikmedien. Dabei müsste der nüchterne Blick eigentlich sofort zu der Frage nach dem Warum führen. Kocht da nicht bloß eine jahrelang entweder ausgelebte oder eben unterdrückte Sensationsgeilheit hoch? Pure Antizipation des nächsten Breakdowns gar?

    Auch im Jahr sechs nach dem letzten Studioalbum bleibt nämlich alles beim Alten. Wieder einmal stehen Barât und Doherty gemeinsam auf der Bühne, erneut gibt es außer dem wenig extraordinären Umstand, dass hier tatsächlich mal zwei Gigs komplett durchgezogen wurden, weder neues Songmaterial noch konkrete Album- und Tourpläne zu berichten, und wie immer gerät ihr Auftritt zur pathetischen Selbstbeweihräucherung zweier alter Helden des Garagerock-Revivals.

    Den Fans sei der hysterische Ausbruch vergönnt, wenn Barât seinem Best Buddy auf der Bühne ein Küsschen auf die Wange drückt und dessen T-Shirt zerreißt. Wo aber liegt das substanziell Neue dieser vermutlich gut durchchoreografierten Varietéhow? Wiedervereinigt, von einer sonnigen Zukunft schwadroniert (Barât im NME: "Like gentle fires warming the corridors of our hearts") und wieder zerstritten haben sich die beiden Libertines seit 2004 mit solcher Regelmäßigkeit, dass der Hype überraschen muss. Der Glaube an den Pop als Spiegel zwischenmenschlicher Beziehungen scheint speziell in UK ungebrochen. Und damit auch die Hoffnung auf ein Happy End.


    Aphex Twin feat. Die Antwoord

    Überhaupt war London festivalmäßig am Wochenende place to be. Wo bei Leeds/Reading alte Bekannte zusammenkamen, holte sich IDM-Grandeur Aphex Twin beim London Electronic Dance Fest die Rapsatiriker Die Antwoord auf die Bühne. In denselben Pikachu-Kostümen, mit denen Ninja, Yo-Landi und Hi-Tek unlängst den Berliner Magnet Club in Brand setzten, hüpfen Die Antwoord im Livevideo vor Richard D. James' Turntables herum.

    Ein wenig jedoch scheint sich letzterer mit einem solchen Feature selbst ins Bein zu schießen. Neulich auf dem Melt! noch betonte Herr Twin in gewohnt ernstlicher Manier, seine dort aufgefahrene Videoperformance solle die "perfekte Synergie von Audio- und Video-Ebene" sein. Seiner künstlerischen Integrität tut ein Die Antwoord-Auftritt möglicherweise keinen allzu großen Gefallen.

    Mit Street View zurück in die Heimatstadt

    Der Titel "Video der Woche", besser: "Personalisierter Musik-Kurzfilm" der Woche gebührt indessen eindeutig Arcade Fire. In einer Zeit, in der deutsche Medien und Politiker unisono panisch auf Googles Street View reagieren, liefern die Kanadier ein Musterbeispiel dafür ab, wie dessen Potenziale kreativ genutzt werden können. Zusammen mit Regisseur Chris Milk und Google hat man zu "We Used To Wait" einen individualisierten Clip für den Chrome-Browser gebastelt. Im Verlauf des Films poppen diverse Google Earth- und Street View-Fenster auf, die das Albumthema von Rückkehr und Heimat für den einzelnen zu einer noch persönlicheren Erfahrung machen.

    Nach der Eingabe der jeweiligen Heimatstadt durch den Nutzer ? was momentan leider vorrangig bei US-Städten funktioniert ? begleiten Luft- und Straßenaufnahmen aus jenem Ort den flüchtenden Protagonisten des Hauptvideos. Die Fenster interagieren miteinander und überschreiben die Fotografien so mit einem Metatext. Datenbank-Surfing in der Memory Lane sozusagen. Eine schöne Polemik zur aktuellen Street View-Hysterie findet sich übrigens im c't Magazin-Editorial.

    Berlin-Korrespondent Matthias Manthe berichtet in seiner wöchentlichen Kolumne über Themen, die wir gegen seinen ausdrücklichen Wunsch "indie" nennen. Feedback und Anregungen gerne direkt an matthias@laut.de.

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