Dead By Sunrise wird um einen Vergleich mit
Linkin Park nicht herum kommen. Zu groß ist deren Einfluss, zu zahlreich deren Fans. Auch die Plattenfirma spielt fleißig mit. Im Fernsehen geht es sogar noch flacher:
Dead By Sunrise wird schlichtweg nur vorgestellt als "neue Band vom Sänger von Linkin Park". Mehr braucht man anscheinend nicht zu wissen.
Doch so einfach ist das nicht. Aber wenn man eben schon einmal beim Vergleich ist, dann fällt auf, dass Chesters zweite Band trotz seines Geschreis ruhiger daherkommt, poppiger und sanfter.
Mike Shinoda war nicht mit dabei ? und damit fehlt auch der Hip-Hop-Einfluss. Elektronischer soll es im Gegenzug sein. Ryan Shuck und Amir Derakh (
Orgy, Julien-K) kennen sich mit dem Sound aus der Steckdose ganz gut aus. Von diesem Elektromix ist allerdings nicht wirklich etwas zu hören.
Mit "Fire" legt die Band einen gelungenen Einstieg hin und kommt vom LP-Image weg. Bei der Singleauskopplung "Crawl Back In" verhält es sich ähnlich. Man setzt auf Gitarre, Schlagzeug, Bass ? und den gelungenen Mix aus Geschrei und Gesang. Richtig gelesen: Chester versucht sich in Gesang und das mit Bravour. Einen Beweis liefert unter anderem "Let Down". Hitverdächtiger hingegen kommt "Inside Of Me" daher, das sich auch als Single gut machen würde.
Mit "Give Me Your Name" ist auch ein musikalischer Heiratsantrag an Chesters neue Flamme dabei. Man liebt es eben heldenhaft und ein wenig übertrieben pathetisch. Dazu hat sicherlich auch Erfolgsproduzent Howard Benson (u.a.
My Chemical Romance,
Daughtry,
Good Charlotte) seinen Beitrag geleistet. Jedoch ist der Song genau wie "In The Darkness" allzu glatt arrangiert. Höchstes Lob hingegen erhalten das metallig anmutende "Condemned" sowie "My Suffering".
Chester Bennington scheint die Hit-Produktion genauso im Blut zu liegen wie seine Gabe, sich selbst zu zerstören. Obwohl er mit Dead By Sunrise wenigstens seinen Stimmbändern ab und zu eine Verschnaufpause zusteht. Wie der Phoenix aus der Asche ? "Out Of Ashes" ? so möchte Dead By Sunrise nach eigenen Angaben sein. Doch so neu ist das, was die Combo da abliefert, wiederum nicht. Und das hat jetzt nichts mit Linkin Park zu tun.