Oct
21
2016

Jimmy Eat World: neue Scheibe „Integrity Blues“

Bevor sich Jimmy Eat World ins Studio begaben, um ihr neuntes Album „Integrity Blues“ aufzunehmen, taten die Bandmitglieder etwas, das es in den vergangenen zwei Jahrzehnten zuvor noch nie gegeben hatte: „Wir haben eine kleine Pause eingelegt“, schmunzelt Sänger und Gitarrist Jim Adkins.

Nach einer erfolgreichen Tour zum zehnjährigen Jubiläum des Albums „Futures“ (das 2004 erschienen war), gingen die Musiker gegen Ende 2014 für kurze Zeit getrennte Wege. Adkins veröffentlichte eine Reihe von 7“-Singles und unternahm seine erste weltweite Solotour, Lind veröffentlichte eine EP und tourte mit seiner Frau als The Wretched Desert, Linton fing an zu Boxen und Burch eröffnete die CaskWerks Distillery in Arizona.

Als das Quartett im November 2015 wieder zusammenkam, machten sich die Musiker mit Produzent Justin Meldal-Johnsen (Paramore, M83 u.a.) daran, Ideen zu sichten. „Ich hatte eine Erkenntnis“, erinnert sich Adkins. „In der Pause wurde das Schreiben etwas kniffliger, also wollte ich ein paar Dinge ändern. Anstatt über ein Problem zu schreiben, wollte ich lieber die Lösung zum Thema machen. Wenn man sich sein Leben ansieht, auf jene Dinge, die schief laufen, dann wird man keine allzu großen Schwierigkeiten haben, etwas zu finden. Aber wenn man auf all das schaut, was man erreichen möchte, anstatt auf die Dinge, bei denen man zu kurz gekommen ist, dann verschafft man sich eine völlig andere Perspektive, die viel dankbarer und positiver ist. Auf ‚Integrity Blues‘ geht es darum, diesen persönlichen Kampf hinter sich zu lassen, anstatt sich darüber zu ärgern, dass das Leben nicht so ist, wie es sein könnte.“ Für die Aufnahmen zog die Band diesmal mit Meldal-Johnsen nach Los Angeles, anstatt wie sonst in Arizona ins Studio zu gehen.

„Wir waren bereit, unsere Standard-Antworten über Bord zu werfen und lieber nach den besten Antworten zu suchen, als uns auf das Bekannte und Bequeme zu verlassen. Wenn du jünger bist und Musik machst, möchtest du neue Dinge entdecken. Wenn man das aber schon längere Zeit macht, geht es darum, alle Erwartungen und den Komfort außen vor zu lassen und zu schauen, was man alles ohne sie bewerkstelligen kann.“

Als erste Single erschien vorab der Song „Sure And Certain“, ein dynamische Upbeat-Nummer mit unwiderstehlicher Hookline. „Das Stück handelt davon, mit Scheuklappen durch die Welt zu gehen, und nur darauf fokussiert zu sein, was man möchte und was man erreichen will“, erklärt der Frontmann. „Man schränkt dann allerdings seine Fähigkeiten ein, jene Dinge zu schätzen, die einen in der Gegenwart umgeben. Das kann ein sehr eingegrenzter Lebensweg werden.“

Der wunderbar minimalistische Titelsong „Integrity Blues“ wartet mit cineatisch-orchestralen Tönen und einer beeindruckenden Gesangsleistung auf. „Dieses Lied habe ich während meiner Solotour geschrieben“, erklärt Adkins. „Das Konzept, seinen eigenen Weg so gut als nur möglich zu gehen, kann oftmals recht einsam sein. Der einzige Ausweg lautet: Initiative ergreifen. Das Gefühl, sich in einer finsteren Situation zu befinden, birgt aber auch große Wachstumschancen. Es gleicht einem emotionalen Jiu-Jitsu, die eigene Perspektive so zu verschieben, dass man das so sehen kann.“

Der Song „Get Right” kommt mit einem energischen Refrain daher und mit „Through” liefern Jimmy Eat World einen der eingängigsten Song ihrer Karriere ab. Der Refrain von „You Are Free“ lässt sich sofort mitsummen und überzeugt durch emotionale Wahrhaftigkeit. „It Matters“ ist ein weiterer Beleg für die große klangliche Bandbreite der Band und behandelt laut Adkins „das zentrale Motiv, dass ein Gefühl des Wohlbefindens aus dir selbst heraus kommt und nicht nur durch Bewertung von außen.“

Wirft man einen Blick auf den bisher zurückgelegten Weg, so stellt man fest, dass Adkins noch von derselben Leidenschaft angetrieben wird wie am ersten Tag. Eine Passion, die der Brennstoff für Jimmy Eat World ist. „Ich wollte Musik machen, seit ich in der zweiten Klasse war – und hier bin ich nun und mache Musik. Und das ist etwas, für das wir sehr dankbar sind“, sagt er. „Und deshalb nehmen wir es nicht auf die leichte Schulter. Wir versuchen, uns in ständig weiter zu entwickeln und uns selbst zu fordern.“

„Am Ende des Tages muss man stolz auf seine eigene Arbeit sein können“, bilanziert er. „Und das sind wir. Wenn du dieses Gefühl in dich aufnimmst und daran glaubst, dann hast du gewonnen.“

jew