Sep
2
2016

Pearl Jam: Aufbruch in die Zukunft von Gestern

Mit „No Code“ und „Yield“ definierten sich Pearl Jam Ende der Neunziger Jahre neu. Bis heute gelten die beiden Alben als Beginn einer neuen Zeitrechnung im Pearl Jam Universum. Der stampfende Powerrock der „Ten“( 1991) Jahre wich immer mehr spirituell geweiteten Klangexperimenten und großformatigen Klanggemälden, mit denen die Band ihren Fans den Weg ins Erwachsensein wies. „No Code“ und „Yield“ erscheinen nun als grandiose pophistorische Faksimile, mit kompletten Artwork und in atemberaubender Tonqualität erneut und beweisen sie haben nichts von ihrer Größe und Kraft verloren.

Text: Jan Kubon

Sommer 1996 – Grunge war eigentlich schon erledigt. Ikone Kurt Cobain war implodiert, Jane´s Addiction versanken im Drogensumpf – nur Pearl Jam hielten noch die Fahnen hoch. Aus den zornigen jungen Musikern, die ihre Karohemden als Uniformen trugen und deren Songs Themen wie Depressionen, Teenagerängste und bürgerliche Tristesse spiegelten, war ein Kollektiv gestandener erwachsener Songwriter geworden. Eddie Vedder hatte seinen urbanen Zorn mit östlicher Spiritualität angereichert. Bereits das zurückhaltend produzierte Konzeptalbum „Vitalogy“ (1994) markierte die Wende hin vom düsteren, epischen Sound von „Ten“ (1991) (Alive, Jeremy) zu mehr Experimentierfreude. Musikalisch und klanglich wurden von Pearl Jam neue Aspekte jenseits des Grunge ausgelotet.

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Keine soundlichen Codierungen griffen mehr. Hardrock, Grunge ??? Was ist das für Musik auf „No Code“ ? – all die Schubladen passten nicht mehr so recht. Vedder und Co fühlten sich nur noch ihren eigenen künstlerischen Standards verpflichtet – und die hießen Selbstbestimmung und künstlerische Freiheit in allen konzeptionellen Fragen, die das Werk von Pearl Jam betrafen. Und so wird „No Code“, das Album mit dem legendären Vierfach-Klappcover, das 144 Polaroidaufnahmen (alle von den Bandmitgliedern persönlich aufgenommen) zeigt und das von der Ferne betrachtet ein Dreieck mit Auge „offenbart“, ein Gesamtkunstwerk. Hoch artifiziell und bis ins Detail durchdacht. Ein optisches Feuerwerk – ein musikalisches ist es sowieso. Man erinnere nur an das gospelschwangere „Who you are“ und das oszillierende „Sometimes“.

Zum zwanzigsten Jubiläum ist „No Code“ nun erstmals wieder als Vinyl mit dem Original – Artwork erhältlich. Besonderes Highlight – die Neuauflage folgt dem Originalkonzept von Bassist Jeff Ament bis ins Detail. Das ist bei Wiederveröffentlichungen, gerade so aufwendig gestalteter Produktion, nicht immer der Fall und deshalb besonders lobend herauszustellen. Selbst Kartonqualität, Stärke und Farbauftrag sind fast identisch. Mit dabei natürlich auch das Set 12 Zoll großer Polaroid – Kunstdrucke. Die Wiederauflage ist so weit mehr als nur eine simple Jubiläumsausgabe, es ist ein Kniefall vor einem der am kunstvollsten gestalteten Alben der Rockgeschichte.

Außerdem erscheint, im Zuge der Wiederveröffentlichungswelle des Pearl Jam Backkataloges mit „Yield“, dem Album aus dem Jahr 1998, eine weitere aufwendig gestaltete Neuauflage eines Klassikers. Auch hier steht höchste Originaltreue an erster Stelle. Sogar der Yield-Sign-Sticker ist beigelegt. Dass auch das Frontcoverfoto der Neuauflage ausgestanzt ist, versteht sich bei derartiger Liebe zum Original eigentlich fast von selbst. Mit „No Code“ und „Yield“ sind die beiden legendären Pearl Jam Alben nun endlich wieder als 1:1 Reprint der Originale erhältlich – und eins sei versprochen:

Das „Unboxing“ dieser Schätze ist für jeden Rockfan die genialste Zeitmaschine, die er je in den Händen hatte.

Pearl Jam – No Code als Vinyl kaufen

No Code - Album

Pearl Jam – Yield als Vinyl kaufen

Yield - Album