Apr
27
2016

Jeff Lynne’s ELO: Zurück in die Zukunft – mit großen Hits von damals und heute

Jeff Lynne’s ELO sind die Livesensation der Konzertsaison 2016. Nach Jahren der Tristesse in den Neunziger und Nullerjahren landet Jeff Lynne’s ELO wieder auf dem Heimatplaneten und begeistert Fans von damals, Kritiker und die Kids von heute.

Text: Jan Kubon

„Die ganzen Hipster von heute kopieren doch nur meinen Bart“ antwortet Jeff Lynne einem Interviewer bei einem seiner seltenen Pressetermine mit einem linkischen Lächeln um die Mundwinkel. Humor ist eine der großen Stärken des Musikers, der weltweit über 50 Millionen Platten verkauft hat. Und den braucht es auch, wenn man über Jahre völlig zu unrecht von der Kritik in die Soft-Rock-Ecke gestellt wurde. Aller Kritik, aller Häme zum Trotz – nicht wegzudiskutieren sind die beeindruckenden Fakten der Karriere von Jeff Lynne: 26 Top 40 Hits alleine in Großbritannien, 50 Millionen verkaufte Tonträger weltweit und die Anerkennung der wichtigsten Künstler des Jahrhunderts. Mit Bob Dylan, Roy Orbison, Tom Petty und Georg Harrison spielt er in der Supergroup „The Traveling Wilburys“, für Tom Jones, Aerosmith, Bryan Adams und Joe Cocker arbeitet er als Songwriter und Produzent und einige seiner Platten mit dem Electric Light Orchestra sind auch heute noch, teilweise 40 Jahre nach ihrem Erscheinen, Glanzstunden der Rockmusik. Viele Musiker, die heute zu den weltweit Angesagtesten gehören, wie die Elektronik-Ikonen Daft Punk oder der Hip-Hop-Star Snoop Dogg nutzen Jeff Lynne-Samples für ihre eigenen Songs.

Jeff Lynne ist sich immer treu geblieben – seinem unverkennbaren Sound aus Streichern, orchestralen Arrangements, leicht federnden Hooklines und erratischen Gesangslinien. Einen Lynne-Song erkennt man sofort und das rückt den Mann in einen kleinen illustren Kreis von Musikern, die für sich in Anspruch nehmen können, wirkliche Weltstars zu sein. Also: Who cares? Jeff Lynne jedenfalls nicht.

Perfekt im Studio – groß und gigantisch auf der Bühne

1971 erscheint das selbstbetitelte Debüt „Electric Light Orchestra/No Answer“. Jeff Lynne, Roy Wood und Bev Bevan haben nur ein Ziel: Musik komponieren, wo die Beatles in ihrer avantgardistischen Phase aufgehört hatten. „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ und „Magical Mystery Tour“ sind Blaupausen und Großentwürfe für die musikalischen Ambitionen der Musiker aus Birmingham: klassische Rockmusik kombiniert mit Elementen aus Klassik, Jazz und Avantgarde, große opulente Arrangements und der Versuch, eingängige Melodien und Rockschemata mit anspruchsvollen musikalischen Passagen abseits der zwei und der vier zu komponieren. Für Jeff Lynne und Roy Wood der nächste konsequente Schritt in ihrer musikalischen Entwicklung nach dem Rocksound von The Move – der Band, mit der sich die beiden in England als Musiker etabliert haben.
Und obwohl die Erfolge der ersten drei Platten bescheiden sind, lassen sich Lynne und Co. nicht vom Kurs abbringen. 1974 dann der Lohn der Anstrengungen: das Konzeptalbum „Eldorado“ (natürlich wurden auch hier alle Songs von Jeff Lynne komponiert und produziert) erreicht die Top 20 in Großbritannien. „Eldorado“ wird zum Kritiker- und Publikumsliebling, wirft aber auch gleich eine Frage auf – wie können die Musiker diesen Sound live auf die Bühne bringen?

ELO

ELO

ELO geben die Antwort auf beeindruckende Art und Weise. Um das orchestrale Werk live präsentieren zu können, wird eine dreiköpfige Streichersektion (Mike Kaminsky/Violine, Hugh McDowell/Cello und Mike Edwards/Cello) angeheuert, den Rest der Flächen und Sounds übernimmt Richard Tandy an seinen Synthesizern, der bis heute Jeff Lynne´s Partner im Studio und auf der Bühne ist. Live ist das Electric Light Orchestra eine der beeindruckendsten Bands, die auf Tour sind. Das Live Album „The Night The Light Went On In Long Beach“ ist klingender Beweis.

1977 dann der nächste Schritt: „Out Of The Blue“, aufgenommen in den Münchner Musicland Studios markiert das Album nicht nur die Wende hin zum kommerziellen Erfolg der Band (alleine vier Top Ten Singles in den USA und UK, darunter „Mr. Blue Sky“ und „Sweet Talkin Woman“, die auch heute noch fest zum Live-Repertoire der Band gehören), auch das bis heute prägende Symbol aller ELO Liveshows – das Raumschiff – taucht erstmals auf. Anfänglich als Bastelsatz und LP-Beigabe und später dann auch auf der Bühne bei den imposanten Liveshows der Band. Nachdem ELO sich musikalisch längst als exzellente Liveband etabliert haben, bieten sie nun auch das ganz große Licht- und Bühnenspektakel. „Wir haben es absolut verdient gut anzukommen. Wir machen eine gute Show … nein, falsch, wir machen eine GROSSARTIGE Show, und wir wissen, dass wir mit all den Lasern und Lichtern und sonstigen Dingen eine tolle Form der Darbietung gefunden haben, und somit sind wir vollends von uns überzeugt, und aus diesem Grund liefern wir somit eine bessere Show“ ist sich Jeff Lynne seiner Sache im Jahr 1978 sicher. Die „Out Of The Blue-World Tour“ wird zum Siegeszug durch die ganz großen Arenen der Welt. Höhepunkt: der Auftritt im Londoner Wembley Stadion.

Zeitsprung

2014 – fast vierzig Jahre und neun Studioalben später, nach Jahren der Live-Abstinenz kehrt Jeff Lynne in den Londoner Hydepark zurück und feiert sich, seine Musik und die Idee vom perfekten Rock’n’Roll gemeinsam mit 50.000 begeisterten Fans. Es soll der Auftakt werden für eine neue Ära in der langen Geschichte der Band. Jeff Lynne macht nicht nur im Namen der Band, sie heißt nun Jeff Lynne’s ELO, klar, wer der Boss ist, auch musikalisch ist Lynne so stark wie schon lange nicht mehr. Die Presse jubelt, die Kritik überschlägt sich: „Jeder Song des Sets wurde zu einer dreiminütigen Pop-Symphonie“ schrieb der Guardian. Das Interesse an ELO als Liveband ist wieder geweckt. Es ist ein Comeback der Superlative. Gemeinsam mit dem BBC Orchestra ist der Auftritt von Jeff Lynne’s ELO der Höhepunkt des BBC 2 Radio Day. In all dem medialen Trubel behält Lynne die Nerven: „Ja klar war ich aufgeregt, wir haben einen Monat lang geprobt für diesen Abend. Aber als es dann losging war es, als ob man nach Jahren ein bequemes Paar alter Schuhe anzieht. Alles passte perfekt.“ erzählt der Mann, der ELO ist, den Reportern vom Telegraph nach der Show.

Jeff Lynne

Jeff Lynne, Porchester Hall, London 2015

Die Geschichte geht weiter – Neues Album, neue Tour, neue Fans – alte Qualität

Jetzt ist Jeff Lynne’s ELO wieder auf Tour. Im Gepäck das Platin-Album „Alone In The Universe“ aus 2015 und natürlich die größten Songs seiner Karriere. Erstmals seit dreißig Jahren stehen wieder Termine in den USA und Europa an. In Deutschland wird Jeff Lynne ein exklusives Konzert geben. Am 5. Mai in Oberhausen können sich dann alte und auch neue Fans davon überzeugen, dass die Songs nichts von ihrer Größe verloren haben. Atemberaubende Bühneneffekte, eine grandiose Band, mit Streichern und Backgroundchor um den Perfektionisten Jeff Lynne und seinen Langzeitpartner Richard Tandy erwarten die Fans. Das gilt als versprochen, denn die ersten Konzerte in Großbritannien wurden von der kritischen Musikpresse dort frenetisch gefeiert: „Lynne ist fast siebzig. Aber er kann sein Publikum immer noch mühelos begeistern“ titelt die Birmingham Mail. Jeff Lynne ist wieder cool und angesagt wie in den Siebzigern und frühen Achtzigern, als er mit seinen Studioalben das Genre Prog-Rock entstaubte und mit seinen aufwendigen Bühnenshows das Publikum begeisterte.

Im Juni freuen wir uns auf weitere ELO VINYL Veröffentlichungen und eine tolle 5er CD Box!

Bis dahin genießen wir die Best Of und das aktuelle Album:

ELO Cover Alone In The UniverseJeff Lynne’s ELO – „Alone In The Universe“ – Deluxe
Mit „Alone In The Universe“ veröffentlichte Jeff Lynne das erste Album mit neuer ELO-Musik nach mehr als vierzehn Jahren. Wie bei allen ELO-Alben übernahm Lynne auch bei diesem Album die Rollen des Produzenten, Songwriters, Arrangeurs, Leadsänger und Gitarristen. „Alone In The Universe“ gibt es als Standard-Album und als Deluxe-Edition mit zwei Bonustracks – und obendrein auf feinem Vinyl.

ELO Best Of_CoverELO – „All Over The World: The Very Best Of Electric Light Orchestra“
Die Hitliste von ELO ist lang – sehr lang… Stellvertretend seien hier genannt: „Hold On Tight“, „Mr. Blue Sky“, „Turn To Stone“, „Rock ’n’ Roll Is King“, „Livin’ Thing“, „Don’t Bring Me Down“, „All Over The World“ und „Evil Woman“.