Nov
20
2014

Michael Jackson: Seine Gitarrenhelden und ihre Geschichten

Ob Eddie Van Halen, Steve Stevens oder Slash – mit Gastspielen von 80er-Gitarrenhelden schaffte es Michael Jackson, nicht nur seine musikalische Stilbreite zu erweitern, sondern er erreichte damit auch ein Publikum, das mit schwarzer Tanzmusik bis dahin nicht viel anfangen konnte. Die drei wichtigsten Gitarrenhelden des King of Pop im Portrait.

Text: Chris Hauke

 

 

 

 

vanhalenbild_mitcopyrightVan Halen – der Tapping-Gott

Anfang des Jahrzehnts ist Eddie Van Halen das Maß der Dinge in Sachen Rockgitarre. Seine außergewöhnliche Technik und Stilelemente wie das Tapping, bei dem er die Saiten mit den Fingern der rechten Hand auf dem Griffbrett in hoher Geschwindigkeit anschlägt, haben ihn weltweit populär gemacht und eine Legion von Nachahmern auf den Plan gerufen. 1982 erhält er einen Anruf von Qunicy Jones. Der Produzent von „Thriller“ braucht ein Gitarrensolo der besonderen Art für die Aufnahme von „Beat It“. Da ist er bei Eddie an die richtigen Adresse. Der Gitarrist schnappt sich sein Instrument, packt zwei Sixpacks Bier ein und fährt ins Studio. Nach zwei Versuchen ist die Arbeit erledigt. Michael Jackson und Quincy Jones sind begeistert. Eddie misst der Sache keine allzu große Bedeutung bei und spielt seinen Part ganz ohne Gage ein – es ist ihm eine Ehre, mit Quincy Jones zu arbeiten. Seinen Bandkollegen erzählt er davon nichts, denn die restlichen Van Halens wollen ihn nicht mit anderen Musikern teilen. Doch sein Stil ist einfach zu prägnant – als die Nummer im Radio läuft und zu einem Riesenerfolg wird, kann Eddie seine Mitarbeit nicht länger verhehlen. Immerhin verzichtet er darauf, im Video zum Song aufzutauchen.

 

stevestevens_mitcopyright

Steve Stevens – Billy Idols rechte Hand

Das Crossover-Konzept von „Beat It“ erweist sich als ein genialer Schachzug, der zu dem weltweiten Erfolg von „Thriller“ beiträgt. Für das Nachfolgealbum „Bad“ will Quincy Jones eine ähnliche Nummer und sucht nach dem passenden Gitarristen dafür. Sein Name: Steve Stevens. Der musikalische Partner von Billy Idol hat in den 80ern zahlreiche Hits wie „Rebel Yell“ oder „Flesh For Fantasy“ mit seinem Spiel geprägt und bereichert. Als Stevens den Song erstmals hört, ist er erstaunt, denn „Dirty Diana“ ist härter und düsterer, als er erwartet hat. Der Gitarrist lässt sich nicht lange bitten, gibt Vollgas und perfektioniert die grandiose Nummer mit rüden Attacken. Im Gegensatz zu Eddie Van Halen taucht er auch im zugehörigen Video auf – und das mit einschneidenden Auswirkungen. Als Stevens am Tag nach der Erstausstrahlung auf dem Weg zum Mittagessen ist, kann er sich vor Autogrammjägern kaum retten. Bei Michael Jackson ist halt alles ein bisschen größer.

 

Slashbild_mitcopyright Kopie

Slash – der unverkennbare Classic-Rocker

Dritter im Bunde der Gitarrenhelden ist 1991 Saul Hudson, genannt Slash. Der Mann mit der tiefhängenden Gibson Les Paul schafft 1987 mit seiner Band Guns N’ Roses und der Scheibe „Appetite For Destruction“ den großen Durchbruch und repräsentiert eine neue Art des Saitenhexers – nicht so virtuos wie Eddie Van Halen, nicht so extrem gestylt wie Steve Stevens geht es bei ihm und seiner Combo eher back to the roots. Für Michael Jackson spielt er das Solo von „Give In To Me“ auf „Dangerous“, dazu die Anfangssequenz von „Black Or White“. Nicht alle Fans von Guns N’ Roses sind von diesem Schritt begeistert, präsentieren sich die Musiker doch gerne als Alternative zum 80er-Mainstream. Und wer könnte da größer sein als Michael Jackson? Dem parallel zu „Dangerous“ erscheinenden GNR-Doppelpack „Use Your Illusion 1 & 2“ dürfte diese Publicity trotzdem nicht geschadet haben.

 

Dies ist ein Auszug aus dem großen formel-eins.tv Special zu Michael Jackson. Hier erfahrt ihr, mit welchen Clips MJ das Musikvideo revolutioniert hat und unter welchen unglaublichen Umständen der Meilenstein „Bad“ entstanden ist.