Jul
8
2004

Gnadenfrist für No Remorse-Mörder

1984 erschoss der 18-jährige Schüler Troy Kunkle den 11 Jahre älteren Steven Horton in Corpus Christi, Texas und beraubte ihn um 13 Dollar. Nach eigenen Aussagen sei Kunkle vom „Another day, another death, another sorrow, another breath“-Refrain des Metallica-Songs „No Remorse“ vom Debütalbum „Kill ’em All“ inspiriert worden. Der legendären Rockgruppe konnte jedoch im Prozess keine Mitschuld an dem Mord nachgewiesen werden. Seitdem sitzt der heute 38-Jährige im Todestrakt des Staates Texas und wartet auf seine Hinrichtung. Am gestrigen Mittwoch hätte Kunkle nach zwanzig Jahren Gefängnis durch die Giftspritze exekutiert werden sollen. Der oberste US-Gerichtshof stoppte die Hinrichtung jedoch kurz vor ihrer Vollstreckung und setzte sie unbestimme Zeit aus. Als Gründe für die gaben die Bundesrichter zum einen die unrechtmäßige Berücksichtigung von Troy Kunkles Drogen- und Alkoholmissbrauchs seitens der Jury, zum anderen den fehlenden Zugang von Kunkles Anwälten zu den Befragungsprotokollen der Geschworenen an, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Metallica äußerten sich nicht zu den neuen Entwicklungen. Frontmann James Hetfield hatte bereits 1984 seine Sicht der Dinge kundgetan: „Wir sind bestürzt über die Tat, aber wir haben mit dem Mord nichts zu tun.“ Neben Metallica wurden im Laufe der letzten Jahrzehnte auch Slayer, Judas Priest und Marilyn Manson beschuldigt, dass ihre Songs Menschen zu Gewaltverbrechen angestiften hätten.